Voller (Körper-)Einsatz gegen den Flächenfraß

Die Rot-Grüne-Landesregierung in NRW war auf einem guten Weg, den Flächenverbrauch in Zukunft signifikant zu verringern und das 5-Hektar-Ziel im Landesentwicklungsplan (LEP) festzusetzen. Leider hat sich die derzeitige Landesregierung doch noch den kurzsichtigen Interessen der Flächenverbrauchs-Beführworter untergeordnet und das 5-Hektar-Ziel wieder aus dem LEP gestrichen.
Fortschrittlich wäre es, den Grünflächenbestand für nachfolgende Generationen zu sichern und Brachflächen, die die Industrie während der letzten hunderte Jahre Industriegeschichte zurückgelassen hat, für eine Weiternutzung zu ertüchtigen und somit nachhaltig zu nutzen. Landwirte schaffen es auch über zig Generationen hinweg, ihr Land zu bewahren und zu nutzen. Und dieses nicht als Altlast den Bürgern zurückzugeben …

Siehe dazu einen Beitrag des NABU:
Mehr Ökologie für ein zukunftsfähiges NRW

Im aktuellen Landtagswahlkampf spielen Umweltthemen keine Rolle. Scheinbar traut sich keiner der großen Parteien das Thema „Bewahrung der Umwelt/ Natur“ in den Fokus zu nehmen, obwohl gerade dieses Thema die Zukunftsfähigkeit von NRW als altes Industrieland, was aus der Vergangenheit gelernt haben sollte, sichert. Ohne intakte und damit auch für die Menschen attraktive und grüne Umwelt wird NRW als Standort für moderne Arbeitsplätze keine Chance haben. Wer will schon in einer riesigen Industriebrache leben …

Überregional aufgefallen sind die „Linken“ aus Solingen, deren Landtagskandidatin Alexandra Mehdi sich zum Schutze des Ittertals sogar an einen Baum gekettet hat!

WDR-Lokalzeit-Flaechenfrass
WDR-Lokalzeit-Flaechenfrass

Siehe dazu den Beitrag der WDR-Lokalzeit (bis zum 15.05.) und die Berichterstattung der Linken.

Vielen Dank für diesen „persönlichen“ Einsatz!

Potential Dienstleistungen

„Neue Zentrale für acht Millionen“ so titelte heute, am 22.03.2014 ein Bericht im Solinger Tageblatt. Lothar Melchior schrieb über den Kauf des buschbestandenen Geländes in Solingen-Ohligs durch die codecentric AG. Sie wird hier in einem zu errichtenden Gebäude ihre zur Zeit noch auf mehreren Standorten verteilten Aktivitäten zusammenfassen und so Arbeitsplätze 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schaffen.

Die Meldung ist aus mehreren Gründen zu begrüßen und besonders hervorzuheben. Zum einen zeigt sie, dass Solingen gegenüber anderen Nachbargemeinden durchaus Standortvorteile zu bieten hat . Zum anderen beweist sie aber auch, dass Unternehmen des tertiären Bereichs, in dem Kreativität und mentale Fähigkeiten im Vordergrund stehen, die Standortvorteile einer Stadt im Grünen, zudem noch im Speckgürtel der nahegelegenen Großstädte als erhebliche Chance betrachten. Die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ hat schon seit ihrer Gründung immer wieder betont, dass die Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft für Solingen unabdingbar sei.

Es stellt sich allerdings die Frage ob diese vornehmlich auf produzierende Unternehmen und/oder Supermärkte mit meist hohem Flächenbedarf ausgelegt sein muss, wie das zur Zeit (noch) der Fall zu sein scheint.

Eine gesunde Mischung, mit zunehmender Bedeutung des tertiären Bereichs wäre nicht nur mit Blick auf die Wirtschaftskraft sinnvoll. Denn pro Arbeitskraft generieren solche Unternehmen meist höhere Bruttoumsätze und Nettoeinkommen. Sie würde auch dem landespolitischen Anspruch und dem der Bürger, zunächst verfügbare Flächenareale im Innenbereich der Stadt zu nutzen, entsprechen. Dass die codecentric AG in Solingen kein Einzelfall ist und bleiben muss, zeigen zahlreiche andere Beispiele. Wer hindert uns eigentlich daran, intensiver darüber nachzudenken, wie sich aus den vielversprechenden Anfängen eine größere Entwicklung zugunsten unseres Wirtschaftsstandorts gestalten lässt? Eine so verstandene und praktizierte Wirtschaftsförderung wäre allemal besser als das zur Zeit noch praktizierte Geschäftsmodell, ohne Not Landwirtschaftsflächen in Industrie- und Gewerbesiedlungen gegen alle Vernunft und Grundsätze der Nachhaltigkeit umzuwandeln. Sich allein aus den höheren Verkaufspreisen für Gewerbeareale gegenüber den billiger eingekauften Agrarflächen zu finanzieren, ist ohnedies nicht zukunftsfähig. Landwirtschaftsflächen in Solingen sind rar nur noch begrenzt verfügbar. Neben den nie mehr wieder gut zu machenden ökologischen Schäden, die unweigerlich eintreten, wenn die Planungen verwirklicht würden, müssten Zehntausende Bürger hinnehmen, dass ihre Naherholungsgebiete drastisch eingeschränkt würden.

Lasst uns lieber gemeinsam darüber nachdenken, wie wir in überschaubarer Zeit möglichst viele codecentric-ähnliche Unternehmen veranlassen können, sich in Solingen niederzulassen.

22.03.2014, Dr. Helmut Nieder

Flächenpool in NRW – klarer Überblick über Brachflächen in Solingen

Dass die Landesregierung in diesen Tagen (18.03.2014) beschlossen hat, den Flächenpool nach einer längeren Erprobungsphase nun in den Regelbetrieb zu überführen, begrüßt die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ lebhaft.

Ziel des Verfahrens ist es, brachliegende Flächen in den Kommunen bedarfsorientiert und standortgerecht neuen Nutzungen zuzuführen. Das ist auch für die Bürger in Solingen ein wichtiger Fortschritt, weil auf diesem Wege ein klare Übersicht über die verfügbaren Brachflächen gewonnen wird. Sie wird aufdecken, in welchem Umfange bedarfsorientierte und standortgerechte Nutzungen in Aussicht genommen und vollzogen werden. Ein weiterer großer Vorteil liegt aus Bürgersicht darin, dass eine unsinnige Vorratswirtschaft nach dem Grundsatz: Wir müssen etwas anbieten können, wenn ein Investor Interesse zeigt, wie sie bisher teilweise betrieben wurde, unterbunden wird..

„Das Verfahren des Flächenpools ist das neue zentrale Instrument zum Flächenmanagement in NRW“ bemerkte Stadtentwicklungsminister Michael Groschek. Es ist ein dialogorientiertes, auf Konsens ausgerichtetes Verfahren, in dem die Kommunen der Nutzung von Brachflächen im Innenbereich den Vorrang vor der Nutzung von Flächen im Freiraum einräumen. Genau dies sind die Forderungen der Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ Diese Flächenpool wird auch geeignet sein, um in Zukunft die beabsichtigte Umwandlung von bisher gewerblich genutzten Arealen in Wohnbebauung oder großflächige Nutzung für Einzelhandelsbetriebe dahingehend zu überprüfen , dies „bedarfsorientiert“ und „standortgerecht“ ist.

22.03.2014, Dr. Helmut Nieder

Dramatische Verluste von Acker- und Grünland vermeiden

„Fläche ist ein nicht vermehrbares Gut“ führte der Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel kürzlich aus. Der dauerhafte Verlust von wertvollem Acker- und Grünland ist nicht nur weltweit, sondern auch im dichtbesiedelten Land NRW ein immer größeres Problem. Den täglichen Verlust von 5 bis 7 ha kann sich das Land einfach nicht leisten. Eine nachhaltige Flächennutzung ist dringend erforderlich. Daher will die Landesregierung den tägliche Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr von z. Zt. 5 bis 7 ha mittelfristig auf Null senken.

Die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ hat in Ihrer Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan 2025 an die Staatskanzlei in Düsseldorf u.a. ausgeführt, dass die Entwicklungspläne der Stadt Solingen dem Ziel der nachhaltigen Flächennutzung völlig zuwiderlaufen. Allein 31 ha Nettofläche (wahrscheinlich mehr als 45 ha Gesamtfläche), also die Fläche eines ganzen Bauernhofes, sollen nach den Plänen in Gewerbegebiete umgewandelt und damit unwiederbringlich versiegelt werden. Dabei dienen die Pläne zunächst nur der Vorrathaltung, ohne dass ein tatsächlicher Bedarf für weitere Gewerbegebiete erkennbar ist.
Die Bürgerinitiative hat in ihrer Stellungnahme an die Staatskanzlei außerdem mit Verweis auf eine sehr umfassende Materialsammlung dargelegt, dass die städtischen Entwicklungspläne ausschließlich wirtschaftlich unterlegt sind. Soziale und ökologische Ansprüche und Erfordernisse fehlen völlig. Sie entsprechen damit in keinem Falle der grundsätzlichen Forderung nach einer nachhaltigen Raumentwicklung, die im Landesentwicklungsplan höchste Priorität hat.

03.03.2014 Dr. Helmut Nieder